Archiv der Kategorie: Traumatherapie

Die SIBAM-Elemente

Durch die hilfreiche „Brille“ des Somatic Experiencing können wir den Menschen in seinen 5 Erfahrungs- bzw. Erlebniskanälen betrachten. Als Therapeut kann dies eine gute Orientierung bieten um zu sehen in welchen Kanälen der Klient sich am ehesten aufhält, befindet und welche er gar nicht benutzt oder ob er in einem Kanal feststeckt. In unserer Erfahrungsdimension als Mensch ist es wohl gut in allen 5 Kanälen gleichermaßen ausgeglichen sein zu können. Traumatisierten (Verletzten, chronisch gestressten) Menschen ist es nicht möglich in allen Kanälen zu sein, meist gibt es einen Mangel in einem Kanal oder mehreren, was ein Hinweis auf eine Dysbalance sein kann. Wo mangelt es? Das mag eine wichtige Information für den Therapeuten sein, doch gilt es eher den Fokus auf die stärkenden und guten gesunden Aspekte zu richten.

SIBAM – Die 5 Erfahrungskanäle:

S – Sensation (Empfindung): Hierbei geht es um körperliches Empfinden. Es ist das Gespür von dem, was sich in unserem inneren Raum abspielt. Was ist innerhalb unserer Hautgrenze? Hierbei geht es um Empfindungen wie: Eng, weit, kontrahiert, wohlig, schmerzhaft, zugeschnürt, kribbelnd, angenehm etc. Das Hauptwerkzeug in diesem Kanal sein zu können ist der so genannte felt sense. Dies ist das „ganzheitliche innere Empfinden“ und ist ein wichtiges Werkzeug, um mit körperlichen Traumata und Regeneration umzugehen. Der Körper ist Instrument, das auf Input (inneren und äußeren) reagiert und uns über Lage und Befinden informiert.

I – Image (Bild): Das sind unsere inneren Bilder oder Inspirationen, aber auch auditive Informationen; die Sinne per se sind hier gemeint.

B – Behaviour (Verhalten): Das Verhalten inkludiert die Erscheinung und das Auftreten des Menschen; wie sind seine Bewegungen, wie spricht er, wie kommuniziert er? Ist er schnell, hastig, langsam, gemächlich, angespannt, unter Druck, auf der Hut etc.? Kann der Klient in ein entspanntes, waches, natürliches Verhalten kommen?

A – Affect (Emotionen): Hierbei handelt es sich um unsere Emotionen und Gefühle wie Angst, Verzweiflung, Ekel, Freude, Liebe, Hass, Gier, Neid, Motivation. Kann der Klient seine Affekte leben und/oder darüber sprechen oder sind sie blockiert/gehalten? Sind es destruktive Gefühle, so muss darauf geachtet werden, dass man nicht versucht diese Emotionen einfach wegzuschieben oder sich selbst zu veurteilen weil man eben so fühlt. In unserer Arbeit mit Traumata werden Zugänge zu den Gefühlen geschaffen, die uns gesund halten; da zählen auch z.B. Aggressionen dazu; diese können verlangsamt und sehr achtsam entladen und erlebt werden, sodass sie zu einer positiver, schützenden Kraft transformiert werden.

M – Meaning (Sinnhaftigkeit): Die Bedeutung, der Sinn. Gibt es eine Lehre aus den Ganzen Erfahrungen zu ziehen? Um ein glückliches Leben zu führen trachten wir danach einen Sinn aus unserem Leben zu machen. Das kann sich natürlich sehr individuell gestalten. Es ist uns ein tiefes Bedürfnis einen Sinn zu erleben und eine kohärente Geschichte aus unseren Erfahrungen zu weben, welche wir auch anderen Menschen mitteilen könnnen. Können wir auch schwierige traumatische Erfahrungen als sinnvoll in unser Leben integrieren, dann erleben wir einen Wachstumsprozess (siehe posttraumatisches Wachstum) und Weisheit und nicht zuletzt ein Eingebundensein im Austausch mit anderen.

Letztendlich müden die 5 Kanäle in eine einzige Erfahrungsqualität als Mensch.

Ein vereinfachtes Anschauungsbeispiel anhand einer Ressource, einem Krafttier:

Nehmen wir an, eine Klientin, die mehrere Grenzüberschreitungen erlebt hat, kommt mit Hilfe des Therapeuten in einer Sitzung an einen Punkt, an dem sie eine Kraftressource in sich entdeckt. Sagen wir es handelt sich um einen wilden, ihr helfenden Tiger, den sie vielleicht im Zoo, im Fernsehen, auf einem Foto, in einer Vision oder in einem positiven Traum gesehen hat. Um eine Ressource wie z.B. ein Krafttier auszubreiten können, ermuntern wir den Klienten die Kanäle des SIBAM durchzugehen, um zu sehen wie gut die Ressource in möglichst allen Kanälen greift. Das ist auch eine Übungssache und braucht normalerweise Zeit. Nehmen wir mal an, diese Klientin hat einen reifen Zeitpunkt in ihrem Leben erreicht und erfährt mit ihrer Ressource einen Durchbruch richtung Befreiung von Altlasten. Schließlich geht es darum ohne Therapeut außerhalb der Therapiesession zurechtzukommen (!), und eine Kraft/Kompetenz zu inkorporieren, aufrecht erhalten zu können und den Körper damit (neu, frisch und gesund) zu beleben.

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Der Tiger wäre als Bild erst mal im I-Kanal zu finden. Das Verhalten (B-Kanal) der Klientin könnte sich durch die Kraft des Tigers von einer schwächlichen Opferhaltung hin zu einer selbstermächtigten vitalen Erscheinung wandeln: Durchsetzungskraft, Wehrhaftigkeit werden gelernt. Die Bewegungen und der Sprachausdruck erfahren eine neue Qualität. Ihre Emotionen (A-Kanal) könnten Mut und Lebenslust generieren. Gehen wir davon aus, dass sie einen wirklich guten Draht bekommt, wobei man hier wie mit einem Strohhalm von einer neuen Kraftquelle nuckeln, sich ressourcieren und nähren kann. Sinngebend (M-Kanal) wäre der gelebte Tiger als Krafttier als Ausbruch aus einem alten Muster, als Helfer aus dem Dunklen, der mit seiner feurigen Art ihre Lebensthemen erhellt und Saft und Energie liefert. Die Klientin kann nun wieder nach vorne Blicken und steckt nicht mehr in ihrer alten Lähmung fest. Das Leben ist wieder ein Abenteuer, das erkundet und aktiv gespielt wird. Ihre persönliche Körperempfindung (S-Kanal) würde ihr womöglich eine ganz neue Vitalität vermitteln, wie ein prinkelnder Strom, der durch ihre Glieder fährt und sie energetisiert. Sie ist voll Leben wie nie zu vor.

Anmerkung: Krafttiere mögen nicht der Weisheits letzte Schluss sein, aber sie können Menschen, die sich im freeze (Lähmung, Apathie, Dissoziation etc.) befinden, Kraft und Vitalität vermitteln. Vorallem wenn es sich um körperliche Übergriffe gehandelt hat (um nun Grenzen definieren zu können) oder Situationen, in denen körperliche Aktivität und Vitalität gefragt ist. Und wer Kraft hat, muss schon mal weniger Angst haben.

Ich freue mich mit Ihnen gemeinsam Ihre Ressourcen ausfindig zu machen!

Der posttraumatische Wachstumsprozess

Traumatische oder stresshafte Erlebnisse sind Teil unseres Lebens. Diese werden nie ganz vermieden werden können, auch wenn man sich in der Edukation, Vermittlung und Erziehung darum bemühen sollte, zu klären wie Traumatisierungen zustande kommen können und wie man ihnen entgegenwirkt. Das betrifft auch den Umgang mit Emotionen. Aber Traumatisierungen werden uns leider immer als vorkommender Fakt des Daseins erhalten bleiben. Auch wenn sich das dramatisch anhört (und es wahreinlich auf einer perönlichen Ebene auch so ist), heißt das nicht, dass das Leben nur schrecklich und sinnlos ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir es schaffen diese Dramatik in unser Leben erfolgreich integrieren können, dann können wir zu neuer Freiheit und Weisheit gelangen.

Wir speichern im Laufe unseres Lebens Erfahrungen und Handlungsmuster (sowie auch Denkmuster und Gefühlsmuster) gemäß unserer Erfahrung seit der Kindheit (inklusive Dasein im Mutterleib) ab. Die Frage ist nun wie sehr uns unsere Muster einschränken und unfrei machen oder wieviel Handlungsspielraum und Optionen uns zur Verfügung stehen. Es geht eigentlich nur darum ob wir in einem gezwungenen Erregungslevel leben (ist natürlich auch abhängig von den Umständen) oder ob wir in einem entspannten (natürlichen) und wachen Zustand die Wahl zu haben, womit wir uns beschäftigen wollen und wie wir reagieren wollen auf bestimmte Reize. Ersteres ist unser roter Bereich, gekennzeichnet von einem hohen Aktivierungslevel im Sinne von „ich muss“…weil „ich kann nicht anders“. Der zweite Zustand kennzeichnet unseren grünen Bereich, in dem es heißt „ich kann“, weil ich bin bei mir, ich weiß wer ich bin und wo ich bin und kann adäquat und angemessen reagieren und bin im sogenannten flow (im Fluss der Dinge, im ewigen Jetzt, gut eingebettet in Verbundenheit). Beim ersten Zustand bestimmen uns negative Einflüsse aus der Vergangenheit, die uns bis heute nicht verlassen (losgelassen) haben. Diese Erregungszustände (bzw. „eingefrorene“ Einschränkungen) haben wir noch nicht geklärt. Traumata in unserer Entwicklung zeigen sich in rigidem Verhalten, Vermeidungsverhalten, Zwängen, Ängsten, Kontaktschwierigkeiten (Blutdruck- und/oder Pulsthemen, Atem- und/oder Verdauungsstörungen, Muskelkontraktionen) uvam. Aber wir nehmen auch gerne Traumata freiwillig an, da sie uns scheinbar zu etwas verhelfen oder vor etwas schützen sollen. Hier wird die Sache trickreicher. Gemeint sind hier bestimmte scheinbare „Vorteile“ wie z.B. ein Behindertenparkplatz oder Frühpension. [Heißt nun nicht, dass alle Menschen in diesen Situationen gemeint sind!!] Dies würde nun aber den Rahmen sprengen. Weiter im Text.

So oder so sind wir geprägt von einem Erleben welches Spuren hinterläßt. Oftmals lassen uns diese Erfahrungen sehr schwer die Spur wechseln. Oft glauben wir nicht mal an eine andere Spur oder wissen nicht, dass es noch andere Wege (andere Spuren) überhaupt gibt oder geben darf. Es gibt unzählige Spuren durch das Dickicht des Lebens (oder ist es die Offenheit des Lebens?). Darf man es wagen, soll man es wagen? Das darf jeder für sich selbst herausfinden. Es gibt Möglichkeiten alte schwierige Muster „aufzusprengen“, was allerdings großes Vertrauen und eine sehr gute Begleitung benötigt. Als soziale Wesen ist Begleitung und Anerkennung wichtig. Andererseits kann man allmählich, Schritt für Schritt umstrukturieren. Wir Menschen als organische Wesen brauchen einfach Zeit und haben Rhythmus. Der Atem und der Puls des Lebens sind hierbei zu bedenken. Oft ist die bessere Devise etwas langsam zu machen. Geduld ist eine Tugend. So schält man sich aus seiner „alten Haut“ heraus wie eine Schlange um verjüngt und neu zu werden. Dies ist der Weg der Traumatransformation.

Diamant. Bildquelle: Wikipedia.

Wozu aber das ganze Leid? Wie kommt man dazu? Es sind doch die Umstände schuld an meinem Zustand! Die Arbeit! Die Familie! Die Eltern sind schuld! Das mögen wichtige äußere Umstände sein, die auf unsere inneren Ursachen reagieren. Und wer weiß wie es anders hätte laufen können. Oft sind es die Krisen, die Not, die traumatischen Erfahrungen, ohne die wir nie diesen Wege gewählt hätten und zu dem Diamant wurden, der wir nun sind. Ohne bestimmte Erfahrungen werden wir wohl nicht so einfach weise und frei, wie wir es alle in der Lage sind zu sein. Traumatisches Material erfolgreich zu transfomieren und hinter sich zu lassen kann eines der schönsten Erlebnisse sein. Es bedeutet nicht zu vergessen, sondern sich daran bewusst erinnern zu können ohne davon noch beeinträchtigt oder belastet zu sein. Diese Transformation auch noch sozial wahr machen zu können ist das Ziel einer erfolgreichen Traumabewältigung. Wir säaen die Ursachen für die Transformationen in unserem Leben selbst.

 

Therapeutische Stopp-Technik

Die Therapie und das Heilen stellen eine Kunst dar. Es will gelernt sein, es braucht vielleicht auch etwas „Talent“ und Methodik. Die menschliche Seele (oder Psyche oder Emotionen) sind höchst komplex und wir sind nicht einfach rational funktionierende und rational motivierte Wesen. Wir sind keine Roboter, wir sind keine Maschinen. Wir müssen uns, um Veränderung zu bewirken, an Abwehrmechanismen, Prägungen, Mustern, seelischen Minenfeldern hindurch-, vorbei- und rundherumbewegen um Dinge bewusst zu machen, zu erkennen, in seeleische Tiefen zu gelangen. Wir landen immer und immer wieder in unseren gleichen Mustern mit ähnlichen Problemen, solange bis wir das Muster nicht erkannt haben und einen anderen, neuen Weg einschlagen; wenn wir dazu bereit sind; wenn wir den Mut haben; wenn wir Unterstützung haben; wenn wir die richtigen Erkenntnisse haben. Unsere Prägungen, die wiederum unsere Verhaltensweisen und unser Manövrieren durch das Leben beeinflussen, kommen in erster Instanz von unseren Eltern. Die Eltern schenken uns diesen Körper, und alle weiteren Prägungen folgen (natürlich auch von anderen Bezugspersonen, Umfeld, etc.). Es beginnt bereits im Mutterleib und auch bevor wir eine Sprache und ein Denken entwickeln. In dieser Zeit kann womöglich schon viel passieren, was uns in Muster zwingt, die wir gar nicht durchschauen können. Glücklicherweise gibt es Therapeuten und Heiler, die sich mit solchen Thematiken auseinandersetzen und daran arbeiten wollen auch anderen Menschen zu verhelfen aus negativen (Verhaltens-)Mustern aussteigen und neue heilsame Schritte vollziehen zu können.

Hier ist ein kleiner Sketch, der zeigt, wie einfach es doch sein sollte. Mit dieser simplen Technik heilen wir uns von Krankheiten, Ängsten, Nöten, Krieg und Terror:

Somatic Experiencing – Techniken und Methoden

Somatic Experiencing (SE) ist eine körperorientierte „buttom-up“ Methode um traumatische Erlebnisse und Stresssituationen effektiv zu behandeln und über unsere bisherigen engen Muster über unsere Weltsicht und über die Sicht von uns selbst und unsere Empfindungen und Gefühle hinauszuwachsen, ja all dies neu zu erleben und neu zu entdecken. „Buttop up“ bedeuted, dass hierbei nicht unsere Gedanken, Ideen, Vorhaben und Vorstellungen unser Leben verändern oder heilen können (dieser Aspekt wäre „top down“ und wird natürlich nicht ignoriert und spielt auch eine Rolle!), sondern, dass unsere Biologie, unsere Physiologie, unsere Körperlichkeit und unser Nervensystem dazu in der Lage sind unsere Empfindungen und Erfahrungen neu zu strukturieren und neue Lebenskraft zu finden. Der Körper hat seine eigene Intelligenz, seine natürlichen Rhythmen und seine natürlichen Gaben, sich von Verletzungen (=Traumata) zu heilen. Aber wie funktioniert SE, mit welchen Methoden arbeitet diese von dem biologieaffinen US-Amerikaner Peter A. Levine ins Leben gerufene Traumatherapie?

In einer Sitzung kommen folgende Techniken zum Zug (die Nummerierungen bedeuten nicht, dass man unbedingt in der Reihenfolge arbeiten muss):

92000000330879531.) Eine Atmosphäre relativer Sicherheit schaffen und geben. Orientierung im Hier und Jetzt: Ein sicherer Raum und eine ungefährdende Beziehung verhelfen dabei sich neu zu formieren und orientieren zu können.

2.) Ressourcen des Klieten ausfindig und ihn darauf aufmerksam machen: Ressourcen sind Quellen innerer Kraft für den Klienten. Darüber zu schreiben allein könnte Bücher füllen, aber prinzipiell sind es Gedanken, Erinnerungen, Haltungen, Tätigkeiten die einem Halt im Leben geben.

3.) Den Klienten dabei unterstützen eine Empfindung von sich zu erforschen und diese zu akzeptieren. Der felt sense: Der felt sense ist das Hauptwerkzeug in dieser Therapiemethode. Dieser ist nicht mit einfachen Worten ins Deutsche zu übersetzen, aber es geht einfach um die Wahrnehmung, dessen, was in unseren Körpern geschieht. Wie fühlt es sich innen an? Eng? Zittrig? Zugeschnürt? Weit? Wohl? Hierbei wird z.B. schon mal in ein problematisches Gebiet hineingefühlt. Nicht zu viel. Nur soviel, wie es geht und dem Klienten zuträglich ist. Aber es geht nicht nur um problematische Empfindungen.  Auf dies zu achten ohne zu bekämpfen, zu regisitrieren um zu regulieren, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Erforschung des Körpers und um ein besseres Gefühl zu sich selbst und gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt zu entwickeln und zu stabilisieren.

4.) Pendeln: „Pendeln“ heißt, dass der Klient nun dazu ermutigt wird seine Aufmerksamkeit von der einen (positven) Ressource bewusst zur (negativen) Erfahrung/Empfindung zu bewegen. Hin und her. Hin und her. Aber auch hier: Nicht zu viel. Dies bringt Energien in Schwung:

5.) Titrieren: Dieser Begriff ist aus der Chemie geborgt. Es geht um die Erkenntnis, dass zwei bestimmte Stoffe (z.B. Flüssigkeiten) explodieren könnten – füge man sie zu rasch zueinander. Beim Titrieren geht es darum tröpfchenweise, Schritt für Schritt und möglichst langsam vorzugehen. Das schützt den Klienten vor etwaigen Retraumatisierungen und „Explosionen“ im System, was zu viel aufwühlen und durcheinander und den Klienten in Gefahr bringen könnte, dadurch, dass er plötzlich mit zu viel des traumatischen Inhaltes (Erinnerungen, Gefühle etc.) konfrontiert ist.

Ein Trauma vom Bildnis her ist auch so etwas: Eine Fee kommt daher und friert lauter Ungeheuer und Ungeziefer alle auf einmal mit ihrem Zauberstab ein um den bedrohten Klienten zu schützen. Die Viecher rühren sich nun nicht mehr. Sie sind aber noch da. Das ist das traumatische Material, das erlöst werden mag. Zu viel davon auf einmal aufzutauen könnte die Person aus der Bahn werfen oder sogar ernsthaft gefährden. Die vielen Ungeheuer und das Ungeziefer wären zu viel zum Bewältigen, wenn die alle wieder aufgetaut sind, umherwuseln und ihr Unwesen treiben. Deswegen knöpft man sich – aus Sicherheitsgründen und weil es einfach angenehmer und stabiler für den menschlichen Organismus ist – ein Ungeheuer nach dem anderen vor, taut es auf, schaut es sich an und kann es dann allmählich auch wieder gehen lassen.

6.) Abbwehrreaktionen stärken. Containment erfahren. Grenzen erkennen: Die Abwehrreaktionen, für die es damals, zum Zeitpunkt des Traumas, keine Zeit oder Möglichkeit gab, kann nun neu aktiviert werden und inkorporiert werden, so dass der Organismus auch weiß, dass er es nun kann – sich zur Wehr setzen und dass so etwas wie damals nicht nocheinmal passieren muss. Die Angst wird überwunden duch den neuen Kraft- un Erkenntnisgewinn. Die Selbstermächtigung kehrt zurück (oder wird neu erfunden!).

Das containment sind die eigenen Grenzen und das eigene Fassungsvermögen. Kann man eine Erregung (bzw. Umwelteinflüsse oder andere Menschen) nicht aushalten, so verliert man schnell die Fassung. Ziel der Traumabehandlungen ist es, sich des containments gewahr zu werden und mehr spüren zu können, ohne daran zu Grunde zu gehen. Die Resilienzfähigkeit (Widerstandskraft) wird erhöht.

7.) Entladung: Alte Muster können entladen werden. Der Körper kann dies durch leichtes Zittern, Schütteln, Stöhnen, Seufzen, durch Worte, Tränen oder andere Bewegungen vollziehen. Nach dem dies einmal geschehen ist, kann neuverhandet werden, mit dem man nun die Empfindungen im Nervensystem „überschreibt“:

8.) Neuverhandlung und Integration: Unsere Nervenbahnen sind wie Hasenwege. Hasen hinterlassen eine ausgetretene Spur im Gras wenn sie immer und immer wieder den selben Weg laufen. So verhält es sich mit unseren Gewohnheitsmustern, abgespeichert in unserem Nervensystem. Der gewohnte Weg ist zwar viel offensichtlicher, erstmal logischer und quasi „sicherer“. Eigentlich aber ist er nur ein gewohnter Weg. Es ist nun an der Zeit neue Hasewege zu laufen. Auch wenn sich das mal komisch (weil ungewohnt) anfühlt. Es gehören ein gewisser Mut und eine Neugier und Entdeckungslust dazu, um neue Wege zu gehen und das unberührte Gras niederzudrücken – so werden neue neuronale Synapsenverbindungen hergestellt! Wenn jemand die Wege schon mal in seinem Leben gegangen ist und sie aufgrund der Verletzung (z.B. ein Monotrauma) nur „vergessen“ oder verlernt hat, so kann er sich womöglich eher wieder bald zurück erinnern. Wenn diese Wege jemand noch gar nicht kannte, so ist es wohl neu für ihn und er muss neues dazulernen und seinen sicheren (eigentlich „eingeengten“) Hafen zu verlassen – raus aus der trauamtischen Zwangsjacke.

Ziel des Ganzen ist es sich selbst und seinen Körper besser und bewusster wahrzunehmen und um freier und stabiler und resilienter (widerstandsfähiger gegenüber Stress) zu werden um ein selbstbestimmteres, selbstermächtigtes Leben führen zu können. Entscheidende fragen hierzu lauten: Wann komme ich in meinen stressvollen „ich muss-Zustand“ und wann bin ich in meinem (hoffentlich nun ausgeweiteten) entspannt-wachen „ich kann-Zustand“?

 

 

 

Somatic Experiencing® – Eine Einführung

Somatic Experiencing ist eine von Peter A. Levine ins Lebens gerufene Art der Traumalösungsmethode. Der US-Amerikaner promovierte in medizinischer Biophysik und Psychologie. Er arbeitete jahrelang in diversen Schmerzzentren, bei der NASA zur Stressbewältigung, sowie auch mit US-Kriegstraumatisierten aus Vietnam und dem Irak. Der Zugang, den er zur Traumabewältigung erarbeitete, ist einer aus der Sicht der Biologie. Viele seiner Erkenntnisse leitete er aus dem Tierreich ab und er fand, dass Tiere in freier Wildbahn keine posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) davontrugen – im Gegensatz zum Menschen – und das, obwohl die Tiere sich in mehr oder minder ständiger Bedrohung und sogar Lebensgefahr befinden. Der Mensch innehalb seiner „sicherern Zivilisation“ ist da etwas anders und trägt sehr wohl unfallbedingte und entwicklungsbedingte PTBS davon. Eigentlich sind es keine Störungen sondern unabgeschlossene Impulse des Nervensystems. Es ist also vielmehr eine Regulationsschwierigkeit als eine Störung. Steht uns unser Neokortex (das Großhirn) womöglich zur Beseitigung gewisser Belastungen sogar im Wege?

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Ein neues Paradigma bricht nun hern, was die Therapie vom Menschen angehen sollte. Traumatische Belastungen nur auf psychischer Ebene zu betrachten und auch so behandeln zu wollen (z.B. nur rein verbal) ist beinahe absurd. Denn wer oder was speichert oder erinnert sich da? Es gibt Überlebensmethoden des Verdrängens und mehr. Der Geist mag verdrängen und vergessen aber der Körper vergisst nicht. Es geht einfach um Verletzungen und Wunden, ganz allgemein gesagt, die verheilen können und möglichst alle Ebenen miteinbeziehen: Den Neokortex, das limbische System und auch unser Reptilienstammhirn. Außerdem gibt es in unserem menschlichen Dasein Entwicklungsstufen – z.B. pränatal oder präverbal im Säuglingsalter – so, dass es gar keine Möglichkeit gibt bestimmte Ereignisse und Vorfälle zu beschreiben oder zu artikulieren, da ja die Sprache und das Großhirn einfach dafür noch nicht ausgeprägt waren. Dennoch passieren Dinge in dieser Zeit. Und einiges davon wiegt selbstverständlich mehr, als würde es uns im Erwachsenenalter widerfahren (man denke einfach an Kälte- oder Gewalt- oder Lautstärke-Einwirkungen). Also wer oder was speichert dies ab in uns? Unser Nervensystem! Es ist die Erkenntniss, dass Traumata in unserem Nervensystem „feststecken“ oder „eingefroren“ sind, was die Konsequenz hat, dass man über eine körperlich (somatisch) orientierte Methode eher an Empfindungen und Erfahrungen herankommt und diese so transformieren kann. Das Nervensystem ist darauf ausgelegt sich selbst zu regulieren. Wenn das gelingt, sind wir in einem guten dynamischen und stabilen Gleichgewicht. Kommen diverse Prozesse jedoch nicht zu einem von der Biologie vorgesehen Abschluss (wie z.B. auch „fight“ oder „flight“), dann zeichnet sich das im Organismus ab: durch Ängste, Kontraktionen, Unregelmäßigkeiten in der Regulation, Verdauungs- und Atembeschwerden uvam. Das Nervensystem reagiert mit einer weiteren Funktion – dem „freeze“ – bei dem der Organismus aus Selbstschutz einfach „herunterfährt“ z.B. im Angesicht des kurz bevorstehenden Todes („Wenn ich schon sterben muss, dann möchte ich nicht dabei sein.“). Das freeze ist nicht das Problem – wir müssen da nur wieder herauskommen. Es gibt Beobachtungen aus der Tierwelt, bei denen ein scheinbar regungsloses Beutetier plötzlich wieder aufspringt und davonrennt. Auch wir Menschen erstarren. Nur wir kommen einfach nicht mehr so leicht aus der Erstarrung heraus, wie die Tiere in freier Wildbahn. Teile von uns bleiben kontrahiert und nicht „im Fluss“. Etwas hängt uns noch etwas nach, ist nicht abgeschlossen. Wir sind nicht darüber hinweg.

Somatic Experiencing® verhilft durch eine mitfühlende, ruhige Begleitung in einem sicheren Setting, die Körperempfindungen durch Spüren, durch Atmen, durch Bewegung wahrzunehmen und bestimmte Angelegenheiten in uns neu zu verhandeln und neu zu integrieren. Es soll uns verhelfen uns von alten Geschichten, die uns nachhängen und Verletzungen zu befreien. Wir können lernen neue, mutige Wege in unserem Leben zu gehen und unseren Körper und die Welt wieder als einen sichereren Ort erleben und wahrnehmen. Es geht bei der Methode um Stressbewältigung, Resilienz, Bindungsfähigkeit, soziales Engagement und das Durchbrechen negativer Muster, sowie auch das Stoppen des weiteren Traumatisieren von Kleinkindern. Aber Traumata sind einfach ein Fakt des Lebens. Das wird sich wohl nie verhindern lassen. Allerdings müssen wir nicht ein Leben lang daran leiden oder es als Freiheitsstrafe hinnehmen. Diese Zwangsjacke der Belastungen in unserem Nervensystem lassen sich regulieren und neu verhandeln.