Der posttraumatische Wachstumsprozess

Traumatische oder stresshafte Erlebnisse sind Teil unseres Lebens. Diese werden nie ganz vermieden werden können, auch wenn man sich in der Edukation, Vermittlung und Erziehung darum bemühen sollte, zu klären wie Traumatisierungen zustande kommen können und wie man ihnen entgegenwirkt. Das betrifft auch den Umgang mit Emotionen. Aber Traumatisierungen werden uns leider immer als vorkommender Fakt des Daseins erhalten bleiben. Auch wenn sich das dramatisch anhört (und es wahreinlich auf einer perönlichen Ebene auch so ist), heißt das nicht, dass das Leben nur schrecklich und sinnlos ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir es schaffen diese Dramatik in unser Leben erfolgreich integrieren können, dann können wir zu neuer Freiheit und Weisheit gelangen.

Wir speichern im Laufe unseres Lebens Erfahrungen und Handlungsmuster (sowie auch Denkmuster und Gefühlsmuster) gemäß unserer Erfahrung seit der Kindheit (inklusive Dasein im Mutterleib) ab. Die Frage ist nun wie sehr uns unsere Muster einschränken und unfrei machen oder wieviel Handlungsspielraum und Optionen uns zur Verfügung stehen. Es geht eigentlich nur darum ob wir in einem gezwungenen Erregungslevel leben (ist natürlich auch abhängig von den Umständen) oder ob wir in einem entspannten (natürlichen) und wachen Zustand die Wahl zu haben, womit wir uns beschäftigen wollen und wie wir reagieren wollen auf bestimmte Reize. Ersteres ist unser roter Bereich, gekennzeichnet von einem hohen Aktivierungslevel im Sinne von „ich muss“…weil „ich kann nicht anders“. Der zweite Zustand kennzeichnet unseren grünen Bereich, in dem es heißt „ich kann“, weil ich bin bei mir, ich weiß wer ich bin und wo ich bin und kann adäquat und angemessen reagieren und bin im sogenannten flow (im Fluss der Dinge, im ewigen Jetzt, gut eingebettet in Verbundenheit). Beim ersten Zustand bestimmen uns negative Einflüsse aus der Vergangenheit, die uns bis heute nicht verlassen (losgelassen) haben. Diese Erregungszustände (bzw. „eingefrorene“ Einschränkungen) haben wir noch nicht geklärt. Traumata in unserer Entwicklung zeigen sich in rigidem Verhalten, Vermeidungsverhalten, Zwängen, Ängsten, Kontaktschwierigkeiten (Blutdruck- und/oder Pulsthemen, Atem- und/oder Verdauungsstörungen, Muskelkontraktionen) uvam. Aber wir nehmen auch gerne Traumata freiwillig an, da sie uns scheinbar zu etwas verhelfen oder vor etwas schützen sollen. Hier wird die Sache trickreicher. Gemeint sind hier bestimmte scheinbare „Vorteile“ wie z.B. ein Behindertenparkplatz oder Frühpension. [Heißt nun nicht, dass alle Menschen in diesen Situationen gemeint sind!!] Dies würde nun aber den Rahmen sprengen. Weiter im Text.

So oder so sind wir geprägt von einem Erleben welches Spuren hinterläßt. Oftmals lassen uns diese Erfahrungen sehr schwer die Spur wechseln. Oft glauben wir nicht mal an eine andere Spur oder wissen nicht, dass es noch andere Wege (andere Spuren) überhaupt gibt oder geben darf. Es gibt unzählige Spuren durch das Dickicht des Lebens (oder ist es die Offenheit des Lebens?). Darf man es wagen, soll man es wagen? Das darf jeder für sich selbst herausfinden. Es gibt Möglichkeiten alte schwierige Muster „aufzusprengen“, was allerdings großes Vertrauen und eine sehr gute Begleitung benötigt. Als soziale Wesen ist Begleitung und Anerkennung wichtig. Andererseits kann man allmählich, Schritt für Schritt umstrukturieren. Wir Menschen als organische Wesen brauchen einfach Zeit und haben Rhythmus. Der Atem und der Puls des Lebens sind hierbei zu bedenken. Oft ist die bessere Devise etwas langsam zu machen. Geduld ist eine Tugend. So schält man sich aus seiner „alten Haut“ heraus wie eine Schlange um verjüngt und neu zu werden. Dies ist der Weg der Traumatransformation.

Diamant. Bildquelle: Wikipedia.

Wozu aber das ganze Leid? Wie kommt man dazu? Es sind doch die Umstände schuld an meinem Zustand! Die Arbeit! Die Familie! Die Eltern sind schuld! Das mögen wichtige äußere Umstände sein, die auf unsere inneren Ursachen reagieren. Und wer weiß wie es anders hätte laufen können. Oft sind es die Krisen, die Not, die traumatischen Erfahrungen, ohne die wir nie diesen Wege gewählt hätten und zu dem Diamant wurden, der wir nun sind. Ohne bestimmte Erfahrungen werden wir wohl nicht so einfach weise und frei, wie wir es alle in der Lage sind zu sein. Traumatisches Material erfolgreich zu transfomieren und hinter sich zu lassen kann eines der schönsten Erlebnisse sein. Es bedeutet nicht zu vergessen, sondern sich daran bewusst erinnern zu können ohne davon noch beeinträchtigt oder belastet zu sein. Diese Transformation auch noch sozial wahr machen zu können ist das Ziel einer erfolgreichen Traumabewältigung. Wir säaen die Ursachen für die Transformationen in unserem Leben selbst.