Warum es oft so schwer ist…

Haupt der Medusa (Peter Paul Rubens und Frans Snyders); Quelle: Wikipedia

Warum haben wir oftmals große Schwierigkeiten etwas in unserem Leben zu ändern, was wir gerne ändern würden? Warum gibt es Muster, die uns immer wieder im Äußeren begegnen, die sich uns als Probleme darstellen? Die Ursachen liegen in uns, die äußeren Bedingungen lösen etwas in uns aus (wir werden getriggert). Aus der Sicht der Traumatherapiemethode Somatic Experiencing ist dieser Teufelskreis durch unser vegetatives Nervensystem zu erklären; die Lösung dazu liegt ebenfalls da, und wir sind in der Lage mit dem Körper neues zu strukturieren, zu lernen und zu erfahren. Alleine aus einem problematischen Strudel herauszukommen ist kaum möglich, denn als soziale Wesen brauchen wir ein mitfühlendes, begleitendes Gegenüber, ohne Druck und Bedingungen – z.B. als Orientierung und Stütze.

Was wir erleben und erfahren speichert sich in unserem Körper und in unserem Nervensystem ab. Die Einflüsse auf uns beginnen bereits im Mutterleib. Geht es der Mutter etwa schlecht, gibt es Bindungs- und Beziehungsprobleme mit dem Partner und viel Streit, oder ist die Mutter anderwertig belastet durch Krieg, Umweltkatastrophen oder sonsitgem, dann hat dies auch eine Wirkung auf den Fötus. Durch herkömmliche Methoden kommt man therapeutisch eigentlich kaum an solche frühen Erfahrungen heran. Unser Großhirn für die Begriffsbildung ist noch nicht ausgeprägt und wir können die Welt noch nicht beschreiben (darum gibt es aus unserem persönlichen Säuglingsalter keine bewussten Erinnerungseindrücke). Und in den ersten Jahren des Lebens passiert viel mit uns. Zusätzlich ist man in diesem Entwicklungsstadium einfach verletzlicher als erwachsene Menschen. Ein Säugling ist verletzlicher als ein Kleinkind ist verletzlicher als ein Erwachsener. Deswegen ist es von enormer Bedeutung was uns in welchem Entwicklungsstadium widerfährt. Aber das sollte doch theoretisch nichts ausmachen, denn wir haben den freien Willen um in Zukunft anders und  überelegt zu handeln und unser Leben selbst zu gestalten, da müssen wir doch nicht mehr leiden? Traumatische (stresshafte) Erfahrungen sind wie imprägniert, etwas bleibt in uns stecken, wir erstarren. Unser Körper erstarrt im Schrecken der überwältigenden Eindrücke der Umwelt.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Traumata:

  1. Monotraumen wie z.B. ein Unfall, Explosion, Gewalt, Missbrauch, Tod eines nahen Menschen,…etwas übersteigt unsere Bewältigungskapazität (Resilienz) – denn da passiert was zu schnell, zu viel und zu plötzlich.
  2. Polytraumen oder chronische Traumen: Diese Syndrome sind wesentlich versteckter und raffinierter und meist selbst nicht ein mal bewusst oder erinnerlich. Es handelt sich beispielsweis um sehr lange anhaltenden Stress, stilles Leiden, Missbrauch über Jahre, ein schiefhängender Haussegen und die oben erwähnten schädlichen Einflüsse im Säuglingsalter.

Während bei der ersten Kategorie die Sache relativ klar ist und bewusst an etwas bestimmten „gearbeitet“ wird, ist die Sache wesentlich verflixter bei Kategorie 2. Denn man weiß bewusst von nichts. Man ist schlicht und einfach in dem Nervenkostüm daheim, so wie man es kennt und gewohnt ist seit Jahren oder immer schon (seit dem Säuglingsalter). Hierbei wird geschaut, dass man die Resilienz erhöht, den Wohlfühlbereich wieder erweitert mit Hilfe von inneren Ressourcen und Körpererfahrungen. Der Körper muss das Wohlgefühl spüren und einspeichern lernen. Da werden ganz neue Wege eröffnet, ganz ungewohnte Muster und Lebenswege begangen. Das ist nicht immer leicht und erfordert auch etwas Mut.

Unsere Erlebnisse und Eindrücke der Welt und die darauffolgenden Handlungen sind wie im Gras niedergetrampelte Hasenwege im Nervensystem. Es sind die viel (meist) genutzten, gut bekannten Pfade. Das heißt aber nicht, dass immer der einzige Pfad ist. Je öfter man etwas wiederholt /erlebt, desto mehr wird das Gras von den Hasen niedergedrückt und es entsteht eine Spur. Darum ist es oft so schwer etwas Neues zu machen, Altes aufzugeben, sich oder etwas im Leben zu ändern. Mann muss neue Wege durch das unbekannte hohe Gras erst mal wagen und überhaupt spüren lernen, dass es noch mehr bzw. anderes gibt. Woher soll man es denn auch wissen, dass sich die Welt auch gut anfühlen darf, wenn man bisher nur gelernt hat von Eindrücken wie Streits, eventuell Krieg, oder Missbrauch oder Gewalt. Unwohlsein, Schwere, Erstarrung (mit allen körperlichen Sypmptomen wie chronische Muskelkontraktionen, Organverstimmungen, Depressionen, Burn-Out) sind ja das einzig bekannte. Wie Medusas versteinernder Blick wurden wir (unsere Lebensgeister) zu Stein erstarrt, sind schwer und leblos und grau geworden. Zumindest Anteile von uns. Das Leben darf – man möchte es fast glauben in dieser schrecklichen und gefährlichen Welt – auch schön, bunt, wohl, lebendig und ein Abenteuer sein!

Denn die Welt ist eigentlich nicht wie sie zu sein scheint. Sie ist einfach nur so wie sie ist. Auf unserer persönlichen Reise ist sie nur so wie wir sie wahrnehmen und das ist ein individueller Prozess und ein Übungsweg. Gerne unterstütze ich Sie auf Ihrem Weg Ihre Erstarrunegen Ihrer persönlichen Medusa zu transformieren.