Woher kommt meine Haltung?

Die Körperhaltung ist für die Leichtigkeit des Seins von entscheidender Bedeutung. Wer kennt es nicht, dass Schmerzen und Verspannungen uns wie schwere oder verwundete Teile vorkommen; wie Blei, wie Bisse oder wie ein Ziehen in eine Richtung, in die wir gar nicht wollen. Und man gewöhnt sich daran. Es gibt allerdings auch, wie in verschiedensten Kampfkünsten bekannt, eine natürliche Körperhaltung, aus der Kraft entspringt.

Die uns angeborene innewohnende Lebenskraft des Willens zu Bestehen und zu Triumphieren

Aber wie kommt es dazu, dass wir aus unserem natürlichen anatomischen Bauplan heraus fallen und unser lebender „Kadaver“ sich so anfühlt, wie er sich nun mal jetzt im Moment anfühlt. Im Großen und Ganzen gibt es drei Gründe, warum wir diese jetzige Haltung eingenommen haben. Es folgen bildhaft und leicht anschauliche Beispiele:

1.) Du arbeitest z.B. in einer Fabrik bei einer Maschine, bei der du stets eine bestimmte (vorgebeugte oder schiefe) Haltung einnehmen musst, um die nötigen Handgriffe zu tätigen. Oder Du bist Musiker und musst die Violine stets bei deinem Kinn so einklemmen, dass dein Nacken irgendwann mal sagt: Nein, danke.

2.) Du hattest eine Operation im Bauch, bei der nachher „oberflächlich“ nur mehr eine Narbe zurückbleibt. Der Eingriff (der vom Körper auch wie ein Angriff gewertet wird) lässt einen Zug und/oder Verhärtung im Gewebe zurück, was den Stoffwechsel und den Energiefluss blockiert. Da die natürliche Gewebsstruktur beeinträchtigt wurde, muss sich der Körper womöglich mit einer Gegenhaltung chronisch anspannen.

3.) Du hattest als Kind einen Klavierlehrer, der Dich stets von rechts hinten (hinter Deiner rechten Schulter) bei den Fehlern angeschrien hat. Dabei zucken der Geist, das Ki und das Gewebe zusammen. Wird dieser Prozess öfters weitergeführt, dehnt sich dann das natürliche Maß eines entspannten organischen Körpers nicht mehr so weit aus, wie es gesund wäre (er schwingt nicht mehr so gut weil verhärtet), und verharrt in einer angespannten vermeintlichen Schutzfunktion.

Jetzt bist Du erwachsen und spürst, dass etwas in der Haltung nicht ganz stimmt. Was tun? Von den rund 84.000 verschiedenen Therapien, die es gibt und die verschieden gut effizient wirken, bist du nun hier gelandet. Manuelle Heilmassagen, Triggerpunkt-Therapie oder Fußreflexzonen können einige temporäre Beschwerden lösen. Was ist aber mit den wirklich tiefen Schichten? Die chronischen Angelegenheiten, die so tief sind, dass keine äußere Anwendung sie wirklich erreicht oder erst nach der einhundertsten Massage vielleicht. Auch wird es nichts Langfristiges nützen uns mit reiner Willenkraft in eine gewisse „gesunde“ Haltung bringen zu wollen. Es ist, als würde man quasi einen Zwang auf einen anderen Zwang darauf zwingen wollen.

Der sogenannte felt sense ist der eigene subjektive Körperspürsinn, ein ganzheitliches inneres Empfinden. Bildhaft sind in unserem gesamten Körper viele kleine Augen, Ohren und Zungen, die uns Rückmeldung darüber geben, wie es uns denn gerade geht. Die Aufmerksamkeit auf diesen Sinn nimmt in unseren Tätigkeiten des Alltagslebens und aufgrund falscher zu kopflastiger Paradigmen wie „ich denke, also bin ich“ ab. Wir funktionieren dann oft eher wie eine automatische Hülle, der aber das Leben fehlt. Wird der felt sense regelmäßig angewandt und trainiert, kann es uns (relativ) rasch gelingen alte, eingespeicherte Muster – selbst die, die tief in unseren Zellen und Neuronen eingesperrt sind – hervorholen und alte Reaktionen nach und nach entladen auf dass wir mehr und mehr in ein gesundes Schwingen mit der Umwelt und anderen Wesen kommen können. Für manche tiefe Einschnitte und Schicksalsschläge im Leben erfordert es Mut zu spüren, zu fühlen, anzunehmen, sein zu lassen um eine Transformation in Gang zu bringen; manchmal braucht es ein paar Schritte der Begleitung und Anleitung dazu; letztendlich hat aber jeder Mensch dieses angeborene Streben der Lebenserhaltung und des Sich-Bewähren-Wollens in sich; dies ist die in uns angelegte Lebenskraft wie bei einem Pflänzchen, das sich im eigenen Wachstum nicht beirren lässt.