Atem ist Lebenskraft

Der Atem ist bei uns Menschen ein banaler und auch genialer Vorgang zugleich. Er ist sowohl Teil des autonomen Nervensystems als auch bewusst steuer- und trainierbar. Autonome Regulationen in uns sind beispielsweise die Verdauung oder der Herzrhythmus. Nun wird es interessant:

Die Lunge und die Atmung funktionieren automatisch, denn wir atmen schließlich auch im Schlaf stetig weiter. Allerdings ist es auch so, dass wir zivilisierten Menschen in der Regel zu flach atmen, das heißt nur 75% der Lungenkapazität nutzen und demanch 25% unseres Kraft- und Gesundheitspotential flöten gehen. Wir können mit der Atmung bewusst Einfluss nehmen auf sämtliche Leistungssteigerungen in unserem Leben, sei es Gesundheit, Rehabilitation, Sport oder Meditation, auch im Sinne einer Steigerung der Fähigkeit zu Entspannen. Weiters kann das bewusste Nutzen der eigenen Rede, der Emotionen und der Umgang mit anderen Menschen verbessert werden. Jeglicher Bereich des Lebens ist im Atem inkludiert!

Allein die anatomische Lage des Herzens spricht Bände, nämlich eingebettet zu sein zwischen unseren beiden Lungenflügeln. Man beachte, dass das Wort Flügel in den Lungenanteilen steckt. Das Herz liegt im Bereich des linken Lungenflügels. Darum haben wir links nur zwei Lungenlappen, während wir rechts drei Lungenlappen haben. Diese Position des Herzens verrät auch die enge Zusammenarbeit zwischen der Lunge mit dem Herzen und dessen Funktion, die frisch eingesaugten Nährstoffe aus der Luft in unserem Organismus zu verteilen, vom Scheitel bis zur Sohle.

Ergo: Wenn wir den Atem bewusst trainieren lernen, haben wir somit auch Einfluss auf das autonome Nervensystem, das inkludiert unser Wohlbefinden, unser Stresslevel oder unsere Gesundheit an sich. Denn durch kontrollierte(re) Atemabläufe können auch der Herzrhythmus, Puls, Blutdruck und auch die Verdauung positiv beeinflusst und gepflegt werden.

Im den westlichen Kulturen hat sich ein derartiges Wissen wie in einigen asiatischen Zivilisationen zum Thema Atem nie etabliert. Prana in Indien, Lung (man beachte dieses Wort! Es bedeutet auch Wind und hat mit Bewegung und neurologischen Themen zu tun…) in Tibet, Chi in China, Ki in Japan: all das sind Worte, die die Lebenskraft und den Atem beschreiben. Ohne Ki und ohne Atem sind wir ganz schnell Tod. Darum ist der Atem das Leben selbst. Und in Teilen Asiens beschreibt man oft die Lebensdauer eines Menschen gemessen anhand einer fixen Anzahl an Atemzügen.

Wale halten anderthalb bis zwei Stunden die Luft an, Delfine rund 15 Minuten.

Übrigens atmen wir Menschen täglich 25 000 bis 30 000 mal ein und aus. Durch Techniken des Haltens des Atems kann man positiv auf die Lebensdauer und Gesundheit einwirken, unter anderem werden aufgrund dieses „unnatürlichen“ Vorganges des Anhaltens rascher Glückshormone produziert und der Organismus schaltet quasi auf Sparflamme: der Herzschlag wird verlangsamt. Damit ist allerdings nicht herumzuspielen und will gelernt sein.

Der Atem verbindet uns alle miteinander. In uns verbindet er Körper, Emotionen und Geist; darum ist es so sinnvoll sich regelmäßigem Atem-Training zu widmen.

Eine kleine aber erhebliche Übung, beispielsweise, ist der Eins-Zwo-Atem: Hierbei nehmen wir einen Atemzug und achten darauf, dass der Fokus eher auf dem Ausatmen liegt, sprich: Die Länge des Ausatmens ist doppelt so lange wie das Einatmen. Dadurch kann unsere Lebensenergie kontrollierter und zugleich ruhiger und gelassener fließen, wie bei einem Ventil, sei es in einem Gespräch mit Mitmenschen, Emotionen, Gesang und dergleichen, aber auch bei körperlicher Betätigung kann man hier ganz rasch eine Leistungssteigerung erfahren. Probieren Sie es aus, zum Beispiel beim Radfahren, beim Laufen, beim Stiegensteigen: kräftig einatmen (durch die Nasenlöcher Luft einsaugen) und kontrolliert und sachte den Ausatem dahinfließen lassen (eventuell auch über den Mund).

Der Atem ist König! Er gibt vor, die Bewegung folgt! Viel Spaß und Freude damit!