Die Nyingma-Tradition

Aller Anfang:

Verehrung, Lehrer, untrügerischer und ständiger Schützer, denk an mich!

(1) Die Freiheiten und Errungenschaften dieser menschlichen Geburt sind schwer zu erlangen,

(2) Alles Geborene ist unbeständig und der Tod sicher,

(3) Ursache und Wirkung von Heilsamem und Schlechtem sind untrügerisch,

(4) Die drei Daseinsbereiche der zyklischen Existenz sind ein Ozean von Leid,

Indem ich mir dies vergegenwärtige: Möge sich mein Geist dem Dharma zuwenden!

Die vier Gedanken, die den Geist zum Dharma zuwenden

Dharma ist die befreiende Information

Das, was Menschen prinzipiell als Buddhismus bezeichnen ist eigentlich einfach die Erkenntnis, dass alle fühlenden Wesen, alle Menschen, alle Tiere oder auch alle Götter nach Glück streben und Leid vermeiden wollen. Die Wesen haben unterschiedliche Kapazitäten und verwenden mehr oder weniger geschickte Mittel um dies zu erreichen. Buddhismus ist die Lehre vom Geist und die Übung vom Geist. Je nach Neigung des Wesen bietet Buddha hier ein vielzahl von Zugängen, Traditionen, Schulen und Praktiken an.

Buddha = Erwachen

Auch ein Mensch, der sein ganzes Leben lang nicht den Namen Buddha vernommen hat, ist somit natürlich in der Lage vollkommene Buddhaschaft, das heißt vollkomenes Erwachen, zu erlangen. Dieses vollkommende Erwachen bezieht sich darauf, dass sämliche Störgefühle, so genannte Geistesgifte (Hass, Gier, Konfusion, Stolz und Neid/Eifersucht), all unsere Neurosen identifiziert, erkannt und aufgelöst beziehungsweise transformiert werden können.

Das Befreiungsmantra schlechthin: OM MANI PADME HUM

Mantras

Mantras sind kurze oder auch längere Silben, deren Bedeutung sowohl eindeutig als uch vielfältig interpretiert werden können. Sie mögen wie eine Affirmation oder eine Art Zauberspruch angewandt werden. Doch ob die Worte an sich – und ohne authentische Übertragung durch einen Lehrer – Wirkung zeigen ist die Frage. Die Wirkung zeigt sich auf Jeden Fall durch die damit einhergehende Visualisierung beziehungsweise Imaginationsübung! Es ändert den Geist(eszustand) in eine andere Wahrnehmungswelt.

Bodhisattva

…ist ein Wesen, mit der gereinigten, realisierten Absicht; eine Absicht auf volle Erleuchtung ausgerichtet; bezeichnet ein Wesen, dass den Geist der Erleuchtung entwickelt hat.Jemand, der Bodhichitta geweckt hat, den barmherzigen Wunsch, Erleuchtung zum Wohle aller Wesen zu erlangen und sie auch in diesen Zustand zu bringen. Es bezieht sich auch auf einen erhabenen Bodhisattva, der eine der zehn Stufen des Bodhisattva-Pfades erreicht hat.

Es gibt zahlreiche Buddhadarstellungen, die keine gewöhnlichen weltlichen Götter repräsentieren, sondern Verkörperungen des eigenen erleuchteten (=erwachten) Bewusstseins.

Von links nach rechts:

  • Manjushri – Bodhisattva der Intelligenz, Eloquenz und des Erinnerungsvermögens
  • Chenrezig oder Avalokiteshvara – Bodhisattva der Liebe und des Mitgefühls
  • Vajrapani – Bodhisattva der Motivation und Tatkraft

Die Basis – die vier edlen Wahrheiten:

Die Basis der sogenannten „Buddhisten“ ist für alle gleich, und das ist das Verstehen vom Leid (Frust) und den Ursachen des Leids. Der historische Buddha (Prinz Siddharta Gautama, ca. 500 vor Christus) erkannte die Ursachen und den Pfad aus dem Schlammassel:

  1. Das Dasein ist leidhaft und frustrierend
  2. Das Leiden hast Ursachen
  3. Die Ursachen können erkannt und behoben werden und es gibt einen Weg aus dem Leid und dem Frust
  4. Der Weg aus dem Leid ist der Achtfache Pfad

Der Achtfache Pfad ist somit der Pfad zu Befreiung. Und wie dieser Begangen wird – das heißt mit welchen Mitteln und Methoden – das ist von Schule zu Schule, von Tradition zu Tradition verschieden.

Tibet und der bunte Vajrayana-Buddhismus

Machen wir nun eine großen Sprung ins Jahr 800 nach Christus: Eine historische Person und gleichzeitig mythische Figur namens Guru Rinpoche oder auch Guru Padmasambhava, ein indischer tantrischer Yogi, kommt nach Tibet um dort die lokalen Dämonen zu bändigen. Er etabliert als Erster den Buddhismus in Tibet und mit ihm kommt die erste Übersetzungswelle in das Schneehochland. Er vermittelt seinen Schülern wertvolle Praktiken und Lehren, die auch aufgeschrieben werden.

Die Texte werden teilweise versteckt und an geheimen, speziellen Orten vergraben für Zeiten, zu denen diese wieder gefunden und von großem Nutzen für die Wesen sein werden, so sagt man. In der Nyingma- Tradition spielen also sowohl diese heiligen Texte (Tantras), als auch die direkte Übertragung, Unterweisung und Erklärung durch einen authentischen Lehrer eine wichtige Rolle.

Authentischer tantrischer Buddhismus

Der Begriff Tantra wird oft im Westen fälschlicherweise nur auf Erotikangelegenheiten projiziert, was mit der eigentlichen echten Bedeutung des Wortes nur bedingt zusammenhängt. Tantra bedeutet Gewebe, das heißt es geht um ein Kontinuum, eine Linie, ein Muster oder es bezeichnet einfach nur einen Text! Da der tantrische Buddhimus Methoden und Werkzeuge liefert, bei der man Energie transfomiert, betrifft es generell jegliche Handlung (und auch den Einsatz mit Sprache!). Es geht hier um den Umgang mit Lebendigikeit auf heilsame Art und Weise.

Guru Rinpoche alias Padmasmbhava, der Lotosgeborene. Der zweite Buddha, der den tantrischen Buddhismus von Indien nach Tibet brachte und die dämonischen Kräfte unterwarf.

Termas und Tertöns

Manche dieser oben erwähnten Schatztexte (Termas), die von so genannten Schatzfindern (Tertöns) entdeckt werden, sind somit manchmal für die jeweilige Zeit relativ frisch erhältlich. Natürlich lässt sich die Echtheit einer solchen Schrift in Frage stellen. Aber es ist eigentlich relativ einfach: Man kann diese Praxistexte selbst ausprobieren und dann sehen.

Und das Unglaubliche am Buddhismus ist, dass man selbst nachdenken und beurteilen darf.

Mahayoga

Die drei Wurzeln der Nyingma-Tradition. Von links nach rechts:

  • Vajrakilaya – Er klärt und reinigt kraftvoll Blockaden und Hindernisse
  • Tsokye Thugtik bringt Segen, Heilkraft und Reichtum
  • Yeshe Tsogyal alias Khandro Thugtik – Sie erreichte höchste Erleuchtung und bringt alles ins Sein, was förderlich und heilsam ist.

Anuyoga

Der zweite Abschnitt der klassichen Praxis ist Anuyoga: Hierbei geht es um die innere Alchemie und die Arbeit der Zentren, Kanäle und Tropfen.

Innere Alchemie

Atiyoga – Dzogchen

Die dritte und letzte Stufe des Lernens und des Pfades ist Atiyoga oder Dzogchen (die große Vollkommenheit): Das bedeutet, dass man erkennt, dass alles von anfang an rein und perfekt und vollkommen war und ist. Man erfährt den klaren, weiten Raum, ohne mentale Projektionen. Die tibetische Silbe A dient als Zeichen dafür.

Ngakpa – ein spiritueller Haushälter

…ist ein Mantrika; Tantrika, ein Praktizierender der Mantra-Gemeinschaft, asketischer, esoterischer Trainer, Anhänger des Tantra, ein Praktizierender des Tantra. Synonym für Yogis, tantrischer Laienpraktiker, Zauberer, Exorzist, Mantrin; Skt. Mantrin – Ngakpa, ein Mantrayana-Praktizierender. Ngakpa, Mantrika. Ein Praktizierender des Vajrayana. Tantrika. Tantrischer Praktizierender. Eine Person, die Ermächtigung erhalten hat, setzt die Sadhana-Praxis fort und hält die Verpflichtungen ein.

Persönliche Stellungnahme:

Auch wenn ich fest verwuzelt in der Nyingma-Tradition bin, bin ich nicht sektiererisch eingestellt und schätze die anderen tantrischen tibetischen buddhistischen Schulen auch. Respekt an die Kagyupas, Gelugpas, Sakyapas und Jonangpas. Auch sämltliche andere buddhistische Richtungen haben ihr wirkungsvollen und wertvollen Methoden, egal ob Hinayana, Mahayana oder (eben das tibetische) Vajrayana. Und es ist mir perönlich auch relativ egal ob sich die Praktizierenden auf ihrem Weg in Europa, Asien, Afrika oder sonst wo befinden.

Buddhismus ist keine Heilsreligion! Das „Heil“ liegt eher in der Befreiung aus unseren Projektionen und schadbringenden Konzepten. Das kann auch schon mal mit schmerzbringenden Einsichten einhergehen. Buddhismus will allgemein heilsame Handlungen pflegen und fördern und unheilsame Handlungen vermeiden.

Ich persönlich bin einfach nur ein Praktizierender auf dem Weg. Weder bin ich authorisierter Lehrer des Buddhismus, noch bin ich Arzt, Psychotherapeut oder Lebens- und Sozialberater. Ich bin lediglich Sozialwissenschaftler (der Kultur- und Sozialanthropologie), staatlich geprüfter Heilmasseur, frei gewerblicher Humanenergetiker und (durch eine Aufschulung) Somatic Experiencing Practitioner.

Was ich allerdings diesbezüglich sehr wohl einfließen lassen kann aus meiner buddhistischen Praxiserfahrung in die Therapiesitzungen sind eben ein paar Aspekte, die hilfreich sein können um die Selbstheilungskräfte anzukurbeln: Atemübungen, Konzentration, innere Ressourcen als Quellen der Kraft, der weite und offene Raum als Werkzeug gegen Enge (Angst kommt von Enge).

Angebot der buddhistischen Praktiken:

  • Medizin-Buddha Praxis: Vorbereitende und nachbereitende Begleitung auf Operationen und chirurgische Eingriffe
  • Naga-Puja: Haus-Segnungen und Segnungen von Grundstücken/Immobilien
  • Rauchwolkenopfergaben: Begleichen karmischer Schulden und Herabrufen von Segen und Glück

Weiters siehe auch unter Disclaimer.

Orgyen Menla – Medizinbuddha der Nyingma-Tradition

„Mögen alle fühlenden Wesen Glück und die Ursache des Glücks besitzen,
Mögen alle fühlenden Wesen von Leiden und der Ursache des Leides getrennt sein,
Mögen alle fühlenden Wesen niemals von der Freude die frei ist von Leiden getrennt sein,
Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, der frei ist von Anhaftung und Ablehnung.“

Die vier Unermesslichen