Buddha-Dharma

Verehrung, Lehrer, untrügerischer und ständiger Schützer, denk an mich!
Die Freiheiten und Errungenschaften dieser menschlichen Geburt sind schwer zu erlangen,
Alles Geborene ist unbeständig und der Tod sicher,
Ursache und Wirkung von Heilsamem und Schlechtem sind untrügerisch,
Die drei Daseinsbereiche der zyklischen Existenz sind ein Ozean von Leid,
Indem ich mir dies vergegenwärtige: Möge sich mein Geist dem Dharma zuwenden!

Die vier Gedanken, die den Geist dem Dharma zuwenden

Dharma: Die befreiende Information

Das, was Menschen prinzipiell als ‚der Buddhismus‘ bezeichnen beschreibt lediglich die Erkenntnis, dass 1.) alle fühlenden Wesen – alle Menschen, alle Tiere oder auch alle Götter – nach Glück streben und Leid vermeiden wollen. Und 2.): Gesetzmäßgkeiten im Existenzkreislauf erkennen und heilsam nutzen zu können. Die Wesen haben unterschiedliche Kapazitäten und Neigungen und nutzen demnach mehr oder weniger geschickte Mittel um dies zu erreichen. Buddhismus ist die Lehre vom Geist und die Übung vom Geist – für die persönliche und kollektive Befreiung.

Buddha: Erwachen, Erblühen, Erleuchten

Dieses so genannte vollkommende Erwachen bezieht sich darauf, dass sämliche Störgefühle, nämlich die Geistesgifte – Hass, Gier, Konfusion, Stolz und Neid/Eifersucht – all unsere Neurosen identifiziert, erkannt und aufgelöst beziehungsweise transformiert werden können in heilsame Zu- und Umstände.

Die vier edlen Wahrheiten: Die Basis des Buddha-Pfades

Die Basis der sogenannten ‚Buddhisten‘ ist für alle gleich, und das ist das Verstehen vom Leid (Frust) und den Ursachen des Leids. Während die bekanntesten religiösen Ansichten ein Wesen im Außen verehren und anrufen, blickt der buddhistisch Praktizierende eher nach innen. Durch die Schulung des eigenen Geistes versucht er Befreiung zu erlangen. Der historische Buddha (Prinz Siddharta Gautama, ca. 500 vor Christus) erkannte die Ursachen und den Pfad aus dem Schlammassel:

  1. Das Dasein ist leidhaft und frustrierend
  2. Das Leiden hat Ursachen
  3. Die Ursachen können erkannt und behoben werden und es gibt einen Weg aus dem Leid
  4. Der Weg aus dem Leid ist der Achtfache Pfad

Der Achtfache Pfad ist also der Pfad zu Befreiung. Es handelt sich dann um die 1.) rechte Ansicht, 2.) rechte Absicht, 3.) rechte Rede, 4.) rechtes Handeln, 5.) rechten Lebenserwerb, 6.) rechtes Streben, 7.) rechte Achtsamkeit, 8.) rechte Konzentration. Was das in der Praxis bedeutet kann recht unterschiedlich sein und darüber diskutiert werden. Das bedeutet, wie dieser achtfache Pfad begangen wird – das heißt mit welchen Mitteln und Methoden – das ist von Schule zu Schule, von Tradition zu Tradition sehr verschieden. In Sutren von Buddha Shakyamuni wird bereits erwähnt, dass Texte in komprimierter Form in Bergen, Bäumen, Seen oder Boden für künftige Zeiten und Generationen versteckt und gehütet werden.

Tibet und der Vajrayana-Buddhismus

Machen wir also nun, um hier konkret und essenzorientiert zu bleiben, einen großen Sprung von 500 vor Christus bis ins Jahr 800 nach Christus: Eine historische Person und gleichzeitig mythische Figur namens Guru Rinpoche oder auch genannt Guru Padmasambhava, ein indischer tantrischer Yogi, kommt nach Tibet um dort die lokalen Dämonen zu bändigen. Er etabliert als Erster den Buddhismus in Tibet und mit ihm kommt die ‚erste Übersetzungswelle‘ in das Schneehochland. Er vermittelt seinen Schülern wertvolle Praktiken und Lehren zur Befreiung. Eine seiner wichtigsten Schülerinnen und zugleich Gefährtin, Herrscherin des tibetischen Fürstentums Karchen, Yeshe Tsogyal, sammelt die Lehren, schreibt sie nieder und verteckt sie an geheimen Orten. Auch sie erlangte höchste Realisation und wurde äußerst machtvoll. Die Bedeutung der Aktivität der Frauen generell kann in dieser spirituellen Tradition nicht genug betont sein.

Die bereits in den Sutren erwähnten versteckten Texte (siehe oben) sind nun für spätere Zeiten, zu denen sie dann gefunden und von großem Nutzen für die Wesen sein werden, so sagt man. In der Nyingma- Tradition (der Name bedeutet einfach „die Alten“ – die erste Übersetzungswelle in Tibet) spielen sowohl diese heiligen Texte (Tantras, siehe unten), als auch die direkte Übertragung, Unterweisung und Erklärung durch einen authentischen Lehrer eine wichtige Rolle.

Authentischer tantrischer Buddhismus

Der Begriff Tantra wird oft im Westen fälschlicherweise nur auf Erotikangelegenheiten projiziert, was mit der eigentlichen echten Bedeutung des Wortes nur bedingt zusammenhängt. Tantra bedeutet Gewebe, Kontinuum, Linie, Muster oder es bezeichnet einfach nur einen Text! Da der tantrische Buddhimus Methoden und Werkzeuge liefert, bei der man Energie transfomiert, betrifft es generell jegliche Handlung inklusive auch den Einsatz der Rede! Es geht hier um den Umgang mit der Lebensenergie auf heilsame und nützliche Art und Weise.

Bodhisattva: Das Erleuchtungswesen

…ist ein Wesen, mit gereinigten Absichten, das bedeutet man ist auf volle Erleuchtung ausgerichtet. Es handelt sich um jemanden, der Bodhichitta – Mitgefühl, Liebe, die höchste Motivation – geweckt hat, den barmherzigen Wunsch in sich trägt, Erleuchtung zum Wohle aller Wesen zu erlangen und sie auch in diesen Zustand zu bringen. Durch Gebete, Studieren oder Mantras möchte der Praktizierende seinen Geist in der jeweiligen Qualität stärken.

Ngakpa und Ngakma – spirituelle Haushälter und Haushälterinnen

…ist ein jemand, der Mantren benutzt, ein Tantriker. Synonym für Yogis. Tantrischer Laienpraktiker, Zauberer, Exorzist, ein Praktizierender des Vajrayana. Eine Person, die Ermächtigung erhalten hat, setzt die Sadhana-Praxis fort und hält die Verpflichtungen ein.


Mögen alle fühlenden Wesen Glück und die Ursache des Glücks besitzen,
Mögen alle fühlenden Wesen von Leiden und der Ursache des Leides getrennt sein,
Mögen alle fühlenden Wesen niemals von der Freude die frei ist von Leiden getrennt sein,
Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, der frei ist von Anhaftung und Ablehnung.

Die vier Unermesslichen